Wie Frauen in Europa ihr Geld investieren

Europäerinnen können fast 200 Mrd Euro investieren!

Männer und Frauen sind nunmal nicht gleich! Das sehen wir in vielen Bereichen des Lebens, aber ganz besonders stark zum Vorschein kommt es im Bereich der Finanzen und beim Investieren. Viele Frauen sehen diesen Sektor immer noch als reine Männerdomäne an.

Das beweist auch eine Studie, welche von der renommierten Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management in Auftrag gegeben wurde. Das Marktforschungshaus Kantar hat eine repräsentative Umfrage unter 3.009 europäischen Frauen im Alter zwischen 30–65 Jahren zum Thema „Sparen und Anlegen“ in Auftrag gegeben. Im Zeitraum zwischen dem 8. und 31. Juli 2019 wurden die 75 Fragen in einem Online-Bogen von den TeilnehmerInnen beantwortet. Stichprobenweise wurden zum Vergleich ebenso 601 Männer befragt.

Grundvoraussetzungen für die Teilnahme waren ein bestimmtes länderabhängiges Mindesteinkommen und die Nutzung von Spar- und/oder Anlageprodukten. Was die Ergebnisse und Learnings sind, schauen wir uns jetzt an.

Die Gründe für das Non-Invest

Fehlendes finanzielles Selbstbewusstsein, ausbaufähige Anlagekenntnisse und zu wenig Zeit im Alltag sind nur einige Gründe, die Europäerinnen zwischen 30–65 Jahren daran hindern, ihr angespartes Kapital von immerhin 200 Mrd. € an den Finanzmärkten anzulegen. Hier entfallen knapp 45 Mrd. € Ersparnisse auf Deutschland und Österreich. Fast 60 % der Frauen vertreten die Meinung, dass es für sie  schwierig ist, genügend Zeit während des Tages aufzubringen, um alle To-Dos zu erledigen. Da rückt das „komplizierte“ Thema Vermögensaufbau und Altersvorsorge natürlich in den Hintergrund.

Frauen weniger selbstbewusst im Umgang mit Geld als Männer

Lediglich ein Drittel der Frauen behaupten, dass sie über ein hohes Selbstvertrauen im Umgang mit Geld verfügen. Bei den Männern sind es mit 46 % fast die Hälfte der Befragten. Die weiblichen Befragten glauben zudem, dass sie nur über geringe Anlage- und Finanzkenntnisse verfügen und mangels der Fachkompetenz nicht aktiv werden. Das heißt, dass gerade mal eine von fünf Frauen ihre Finanzen in die Hand nimmt und gewinnbringend, z. B. an der Börse, anlegt. Bei den Männern denkt man ja eigentlich, dass hier der Prozentsatz deutlich höher ausfällt, aber Pustekuchen! Gerade mal ein Drittel der männlichen Befragten betreibt aktiven bzw. passiven Vermögensaufbau.

Ein Lichtblick: Frauen, die sich aktiv um ihre Finanzen kümmern

Frauen, die bereits investieren, bewerten ihr Selbstvertrauen höher als Frauen, die nicht investieren. Dabei zeigte sich mit 51 % die Hälfte der investierenden Frauen überzeugt, die richtige Vorsorge für die Zukunft getroffen zu haben, verglichen mit einem Drittel (34 %) der Frauen, die nicht investieren. Ein Fünkchen Hoffnung, dass Frauen das Thema noch ernster nehmen, damit sie in der Rente nicht von Altersarmut betroffen sein werden.

8 Typen von Anlegerinnen und Sparerinnen

Um die Anforderungen von Sparerinnen und Anlegerinnen besser verstehen zu können, wurden auf Basis der Befragung acht verschiedene Typen ermittelt. Diese lassen sich in zwei unterschiedliche Sektoren einteilen: Frauen mit einer stärkeren Affinität zum Investieren und Frauen mit einer höheren Affinität zum Sparen.

Frauen mit einer größeren Tendenz zum Investieren:

Selbstsicher und kontrolliert (= 16 %) – finanzielle Sicherheit und sorgenfreier Ruhestand stehen weit vorn

❷  Im Hier und Jetzt (= 13 %) – stark auf Gegenwart fixiert, Investitionen als Chance für die Zukunft

Aktiv und zielstrebig (= 12 %) – wohlhabend, optimistisch und auf der Suche nach Vermögenswachstum für eine sichere und komfortable Zukunft

Wachsendes Selbstbewusstsein (= 7 %) – wägen kurz- und langfristige Interessen ab, erwarten aber Vermögenswachstum und blicken zuversichtlich in die Zukunft

Junge Überfliegerin (= 5 %) – ehrgeizig, selbstbewusst, aber nur wenig Zeit, begeistert sich für Investitionen und lässt sich online und offline beraten Frauen mit einer größeren Tendenz zum Sparen

Vorsichtige Zweiflerin (= 16 %) – ängstlich mit Sicherheitsbedürfnis, fühlt sich finanziell eingeschränkt, wünscht aber mehr Auswahl

Passive Behüterin (= 19 %) – finanziell nicht engagiert, dafür hohes Sicherheitsbedürfnis, Verlustangst ist größer ist als die Zuversicht für künftige Gewinne

Erklärte Traditionalistin (= 12 %) – will Lebensweise und Finanzen bewahren, nicht bereit, die Komfortzone zu verlassen und Risiken einzugehen

Nicht nur Unterschiede beim Geschlecht, sondern auch nach Ländern

Gut zu hören, dass wir Deutschen vor allem in die Gruppe „Selbstsicher und kontrolliert“ gehören, während z. B. Nordeuropäerinnen wie Schwedinnen eher „Passive Behüterinnen“ (30 %, D/AT: nur 15 %) sind. Für die größte Gruppe ist Sicherheit wichtiger, als hohe Gewinne, Zinsen oder Renditen. Passive Behüterinnen fürchten sich allgemein vor Marktschwankungen und finanziellen Verlusten.

Die zweitgrößte Gruppe, also die „Vorsichtige Zweiflerin“, war besonders stark in Großbritannien (24 %), Frankreich (20 %) und Spanien/Portugal (20 %) vertreten. Erstaunlicherweise wies Schweden hier den geringsten Anteil mit gerade mal 7 % auf. Zwar sind sich diese Frauen der Bedeutung finanzieller Unabhängigkeit bewusst, jedoch fühlen sie sich von den bereits oben genannten Faktoren gehemmt.

Die drittgrößte Gruppe, „Selbstsicher und kontrolliert“, wurde mit knapp 30 % von Deutschen und Österreicherinnen dominiert. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe war über 50 Jahre alt und kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand. Diese Frauen möchten ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen und vermeiden eher finanzielle Risiken.

Mein Fazit: Hier steckt viel Arbeit, aber auch Potential!

Es ist toll zu sehen, dass so viele Frauen über Erspartes verfügen! Jetzt müssten sie nur noch den nächsten und vor allem wichtigsten Schritt gehen: nämlich das ersparte Geld zu investieren. Wenn der Notgroschen „sicher“ auf dem Tagesgeldkonto mit Einlagensicherung verwahrt ist, dann wandert der Rest in Aktien und ETFs. Mit einer klugen Strategie, die auf Diversifikation und Langfristigkeit ausgelegt ist, kann im Prinzip nichts passieren, außer dass sich das Geld vermehren wird und man sich damit einen langgehegten Traum erfüllen oder beruhigt in den verdienten Ruhestand gehen kann.

Natürlich sind mit einem Invest auch immer Risiken verbunden, wer allerdings gar nichts macht und das Geld auf dem Tagesgeldkonto nach und nach von der steigenden Inflation auffressen lässt, der wird seine finanziellen Ziele definitiv nicht erreichen. Die Notwendigkeit an Finanzbildung für Frauen ist nach wie vor hoch. Es ist grundlegend, dass bereits in jungen Jahren die Basis geschaffen wird, damit Frauen und selbstverständlich auch Männer ein eigenes Vermögen und eine eigene Altersvorsorge aufbauen. Wertpapiere sind dafür einfach unabdingbar und sollten kein Schreckgespenst darstellen! Es ist wichtig eine positive Verbindung mit Aktien und ETFs aufzubauen, damit man sich an den Erträgen erfreuen kann und die Studie in 20 Jahren hoffentlich andere Ergebnisse liefert. Lest gerne auch meine Geschichte wie ich von der Shoppingqueen zum Invest-Girl wurde.

Quelle: JPMorgan Asset Management (Europe), www.jpmorganassetmanagement.de

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