Aktien für Frauen - Durch ETFs können vor allem unerfahrene Anleger auch mit einem kleinen Geldbeutel an der Börse Gewinne einstreichen.

Investieren in ETFs

ETFs sind in der letzten Zeit populär geworden. Sie werden von vielen als die eierlegende Wollmilchsau oder gar
der Heilige Gral der Anlageklassen bezeichnet. 
Auch Aktienlegende Warren Buffet ist davon überzeugt:
Ein kostengünstiger Indexfonds ist das sinnvollste Aktieninvestment für die große Mehrheit der Anleger.
Mein Mentor, Ben Graham, vertrat diese Position vor vielen Jahren und alles, was ich seitdem gesehen habe, hat mich von dieser Wahrheit überzeugt
.“

ETFs – wer weiß, für was die Abkürzung steht?

Die Abkürzung steht für Exchange Traded Fund und zu Deutsch: börsengehandelte Indexfonds. Dabei ist eines im Vorfeld ungemein wichtig – es heißt immer Fonds mit „s“ egal ob Ein- oder Mehrzahl. Den Fond findet ihr nur in der Küche!

Schatz, ich habe den Index nachgebildet

Alles braucht eine Basis. Und die Basis für einen ETF ist immer ein bestimmter Index, also z. B. der deutsche Aktienindex DAX oder der amerikanische Aktienindex Dow Jones. Dieser Index wird dann 1:1 mit dem ETF abgebildet – er soll weder besser, noch schlechter performen. Sozusagen soll der ETF exakt auf einer Linie mit dem Leitindex verlaufen. Dazu braucht es also keine teuren und „fehleranfälligen“ Fondsmanager oder aufwändige Aktienanalysen, sondern lediglich ein Computerprogramm.

Kostengünstig und für Jedermann!

Hohe Nebenkosten in Form von Managementgebühren fallen nicht an. Die jährlichen Gebühren (TER) für einen ETF liegen daher bis zu 95 % unter denen eines aktiv gemanagten Fonds. Darum ist er für Wenig- oder Normalverdiener eine wunderbare Sache, um auch wenig Geld in Zeiten der Nullzins-Politik möglichst wirtschaftlich anzulegen.

Aber Achtung, hält man einen ETF über mehrere Jahrzehnte summieren sich natürlich auch die Kosten. In den jährlichen Gebühren (TER) sind enthalten:

Vertriebs- und Verwaltungskosten

Ohne Verwaltung und Buchhaltung im Hintergrund läuft nichts. Schließlich müssen sämtliche Kunden und deren ETFs „betreut“ werden. Auch in den Büros der Broker, Depotbanken, etc. sitzen echte Menschen, die im Notfall da sind. Stellt euch vor, euer monatlicher Sparbetrag wurde doppelt vom Konto abgezogen, dann wollt ihr binnen der nächsten 2 Minuten schließlich jemanden (hoffentlich mit Kompetenz) am Telefon haben, der sich darum kümmert und die Sache für euch regelt.

Transaktionskosten

Wenn der Index sich verändert, also z. B. eine Aktie aus dem DAX durch ein neues Unternehmen ersetzt wird, dann müssen natürlich die entsprechenden Titel ge- bzw. verkauft werden, damit der Index korrekt abgebildet wird. Das produziert Kosten bei Brokern, an der Börse, etc.

Gewinnmarge

Auch eine Fondsgesellschaft ist keine spendenbasierte Institution, die nur unser Bestes will. Genauso wie wir, wollen sie auch ein angemessenes Stück vom Kuchen, sprich Gewinn, abhaben.

Orderentgelte

Und weiter geht es mit den Kosten. Nicht im TER berücksichtig sind die Orderentgelte beim Kauf bzw. Verkauf von ETFs bzw. bei der regelmäßigen Sparplanausführung. Je ETF-Order zahlt ihr ab 1,00 €. Zusätzlich können auch noch weitere Kosten, z. B. börsenabhängige Entgelte oder Courtagen hinzukommen.

Bei der comdirect zahlt ihr z. B. für die Ausführung eines ETF-Sparplans 1,5 % des Ordervolumens pro Transaktion und ETF. Bei der Ausführung eines ETF-Sparplans über Trade Republic zahlt ihr 1,00 €.

Des Deutschen liebstes Thema: die Steuern

Auch wenn ihr einen thesaurierenden, also wiederanlegenden ETF bespart, ist dieser einkommenssteuerpflichtig, weil ihr Kapitalerträge aus Dividenden erhaltet. Und wie weiter unten beschrieben, macht es seit 2018 und mit der Einführung des Investmentsteuergesetz auch keinen Unterschied mehr, ob ihr ausschüttende oder thesaurierende ETFs bespart. Um die Besteuerung von Kapitalerträgen zu vereinfachen, gilt seit 2009 die Abgeltungsteuer. Das ist eine sogenannte Quellensteuer, denn diese wird direkt an der Basis, also der Quelle der Einkünfte erhoben und dann an das Finanzamt abgeführt. Diese Quelle ist im Normalfall eure Depotbank und die zieht die Abgeltungsteuer von allen Gewinnen ab, so dass ihr euch hier um nichts weiter kümmern müsst.

Ihr könnt bei euren Banken direkt einen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge online erteilen oder diesen einfach schriftlich beantragen, denn dann werden Einkünfte bis zu einer Höhe von 801 € (Verheiratete: 1.602 €) nicht mit der Abgeltungsteuer belastet. Den sogenannten Sparerpauschbetrag könnt ihr auch auf mehrere Depots aufsplitten!

Die deutsche Kapitalertragssteuer beläuft sich auf 25 % der Gewinneinkünfte. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag von 1,375 % sowie ggf. Kirchensteuer. Die Kirchensteuer ist abhängig vom Bundesland: Bayern und Baden-Württemberg 1,96 %, alle übrigen Bundesländer 2,2 %. So ergibt sich eine Abgeltungsteuer von knapp 28,5 %.

Steuereinfach vs. Steuerhässlich

Achtung, im Netz findet ihr immer noch die Informationen darüber, dass man mit ausschüttenden ETFs Steuern einsparen kann. Bis 2018 war das auch korrekt, aber mit dem Investmentsteuergesetz hat sich die Besteuerung von ETFs geändert. Somit hat sich auch die Unterscheidung zwischen „steuereinfachen” bzw. „steuergünstigen“ und „steuerhässlichen” bzw. „steuerungünstigen“ ETFs erledigt.

Aktiv vs. passiv

ETFs, also passives Fonds, sind erst vor ein paar Jahren so richtig populär geworden. Aktiv gemanagte Investmentfonds, die vom Fondsmanager des Vertrauens verwaltet werden, gibt es dagegen schon ewig. Wie ihr aber bestimmt schon das eine oder andere Mal gelesen habt, haben diese aktiven Fonds einige Nachteile: sie sind sehr kostenintensiv, da ja ein Mensch, welcher für euch und euren Vermögensaufbau zuständig ist, am Monatsende auch gerne seine privaten Rechnungen begleichen möchte. Aber schlimmer noch: knapp 80 % aller aktiv gemanagten Fonds schaffen es nicht den zu Grunde liegenden Indexfonds, z. B. Dow Jones oder DAX zu schlagen und performen sogar oftmals noch schlechter als der Index selbst.

Wenn ihr das so lest, dann kommt euch garantiert in den Sinn: aktiv gemanagte Fonds machen keinen Sinn! Das kann ich so aber nicht stehen lassen, denn sie können schon Sinn machen. Wollt ihr in einen sehr exotischen Markt investieren, indem ihr euch absolut nicht auskennt, den ihr aber für sehr lukrativ haltet, dann kann ein Fachmann, also der Fondsmanager, durchaus sein Geld wert sein.

Bei normalen Fonds würde ich aber immer den ETF bevorzugen und mich selber um meine Investitionen kümmern.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Laut Statista wurden im Jahr 2018 weltweit rund 6.478 ETFs verwaltet. Wie soll man hier bloß den passenden ETF für einen finden? Auf den ersten Blick ein Ding der Unmöglichkeit. Aber keine Sorge, sowohl für Anfänger, Fortgeschrittene, als auch Profis gibt es mittlerweile richtig tolle ETF-Suchplattformen, die einem das Leben erleichtern, z. B. www.justetf.com oder www.extratef.com.

Hier könnt ihr nach allen wichtigen Kriterien filtern und suchen, bis ihr am Ende das passende Produkt gefunden habt. Und eins ist hier auch ganz wichtig zu betonen: Den einen richtigen ETF wird es nie geben! Es hat immer alles seine Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil und das höchste Risiko besteht aber immer in einer Sache: Man bzw. Frau beginnt nicht mit dem Investieren. Das ist für euren Vermögensaufbau und die Altersvorsorge gravierend!

Thesaurierend vs. Ausschüttend

Die beiden Fachbegriffe sind euch bestimmt schon untergekommen, als ich euch über mögliche ETFs informiert habt. Die Differenzierung ist eigentlich ganz einfach. Ausschüttend bedeutet, dass euch die Dividendenzahlungen der Fonds nach Abzug von Steuern auf euer Konto überwiesen, also ausgeschüttet werden. Bei einem thesaurierenden Fonds werden die Dividenden nicht ausgeschüttet, sondern sofort wieder reinvestiert, d. h. euer Fondsvermögen nimmt zu.

Welche Fondsart besser ist, ist abhängig vom Anleger. Seid ihr noch in der Ansparphase bzw. dem Aufbau eures Vermögens, dann ist ein Thesaurierer sicherlich sinnvoller. Möchtet ihr von den Dividenden leben, also seid in Entsparphase, dann macht ein Ausschütter mehr Sinn.

Replizierer vs. Swapper

Bei einem vollständig replizierendem ETF kauft ihr die Aktien, die dem Index zugrunde liegen. Wenn euer ETF den S&P 500 nachbildet, dann stecken dort Unternehmen wie 3M, AbbVie, Kellogg, McDonalds, uvm. drin. Das ist so und wird auch über die gesamte Haltedauer so bleiben. Hinter swap-basierten ETFs stecken nicht die Aktien des Indexes, sondern der Fondsverwalter schließt mit Banken Wetten über den weiteren Verlauf des Indexes ab. Das birgt natürlich deutlich mehr Risiken, da man sich aus eigener Erfahrung auch kräftig verwetten kann. Wer also nicht stehts und ständig ein Auge auf seinen ETF werfen möchte, der ist mit einem Replizierer sehr gut beraten. Den einzigen nennenswerten Vorteil von Swappern sind die deutlich geringeren jährlichen Kosten (TER) im Vergleich zu den vollständig replizierendem ETFs.

 

   Vorteile von ETFs

  • Diversifikation: alle Märkte lassen sich breit abdecken
  • Kostengünstig: nur geringe laufende jährliche Gebühren
  • Sicher: ganz unkompliziert lassen sich auch außergewöhnlichere Märkte/Sektoren abbilden, z. B. australische oder japanische Indicies oder der Cannabis-Markt
  • Transparent: Anlagestrategie nachverfolgbar
  • Sparplanfähig: So gut wie alle ETFs sind monatliche im Plan besparbar
  • Zeitschonend: ETFs benötigen kein ständiges Eingreifen eurerseits, sondern laufen im Hintergrund
  • Sicher: ETFs sind Sondervermögen

 

 

  Nachteile von ETFs

  • Wiederkehrende Kosten: jedes Jahr auf neue fallen Gebühren an, die sich über die Jahrzehnte zu einem hohen Betrag summieren können
  • Man kauft automatisch auch schwache Papiere: der MSCI World hat z. B. über 1.600 Aktien inne, da ist es schwer einen Überblick über alle Aktientitel zu erhalten.  In einem DAX ETF kauft ihr auch kriselnde Aktien wie z. B. die Deutsche Bank
  • Kontrahentenrisiko: habt ihr euch für einen Swapper entschieden, dann ist das Risiko eines Ausfalls gegeben
  • Zeitspanne: Erst ab einem Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren macht ein ETF Sinn
  • Keine Outperformance: der ETF bildet den Index ab, aber nur sehr wenige Fonds können diesen auch übertreffen